Drei Tage Tarija, Hermandad-Regionaltreffen
8. Mai 2008 von Fabian | kein Kommentar |
Ich bin jetzt schon seit Sonntag wieder zurück in Camiri, aber habe leider wieder einmal mit einer Grippe zu kämpfen, die mich bis heute ans Bett gefesselt hat. Wie in dem letzten Artikel beschrieben war ich vom 30. April bis zum 04. Mai in Tarija, beim Hermandad-Regiontreffen. Zu den Regionaltreffen sind neben Camiri und Tarija auch noch Potosí, Cochabamba, Aiquile und Sucre eingeladen worden. Die Hermandad, ist die Partnerschaftskommission zwischen Bolivien und den Diozoesen Hildesheim und Trier. Das Büro ist in La Paz im Gebäude der bolivianischen Bischofskonferenz untergebracht
Da das Treffen am 1. Mai gegen Mittag begann mussten wir aus Camiri schon am Abend vorher losfahren. Die Flota, die aus Santa Cruz de la Sierra gestartet war und nur einen kleinen Zwischenstopp in Camiri einlegen wollte, sollte um 2330 abfahren. Um halb eins haben wir immer noch vor dem Büro gewartet und selbst die Agenturleiterin von der Flota wusste nicht genau, ob der Bus überhaupt Santa Cruz verlassen hatte. Eine halbe Stunde später konnten wir aufatmen, als wir in dem mitlerweilen angekommenen Bus platz genommen haben. Unsere Fahrt wurde recht unsanft mitten im Campo morgens um halb fünf gestoppt. Als die Einwohner eines Dorfes uns die Durchfahrt untersagt haben, der Grund: „Heute ist Tag der Arbeit und es wird einfach nicht gearbeitet!“ nach einigen heftigen Diskussionen hat der Busfahrer schließlich eine nicht gerade geringe Geldmenge für die Weiterfahrt bezahlen müssen. Aber das Glück war nicht auf unsere Seite, den bereits knappe zwei Stunden später, ging es wieder nicht weiter, da die Straße an vier Stellen von Felsbrocken, die in der Nacht herabgefallen waren versperrt worden war.
Erst nach und nach wurde die Straße langsam frei geräumt. Gegen eins halb zwei sind wir schließlich in Tarija angekommen und sind ohne weitere Umwege mit einem Taxi zum Tagungsgebäude gebracht worden. Dort angekommen, waren die anderen Delegationen schon fleißig mit dem Mittagessen beschäftigt.
Nach dem wir richtig gut gestärkt hatten konnte das Treffen beginnen. Als erster Punkt auf dem Zeitplan stand die Vorstellung der einzelnen Teilnehmer. Am Abend hat die Delegation aus Tarija also unsere Gastgeber uns in die Kultur Tarijas eingewiesen. Die Stadt gilt als das Weinanbaugebiet in Bolivien, somit gab es eine große Weinprobe und Erläuterungen zum richtigen Genuss der edelnen Tropfen.
Unterschiede wie der Wein hier getrunken im Gegensatz zu Deutschland gibt es viele, um nur einen herrauszugreifen: Rotwein wird hier zu Lande ebenfalls kalt getrunken, zwar nicht so kalt wie Weisswein, aber kalt. Auch eine Einweisung in die Tänze durfte natürlich nicht fehlen, als einer der bekanntesten ist der Cueca Chapaca zu nennen. Ein Partnertanz der auch in vielen anderen Teilen von Bolivien getanzt wird, aber sich von Region zu Region vom Tempo und Tanzstil unterscheidet.
Am nächsten Tag stand ein Rückblick auf das letzte Jahresmotto der Hermandad auf dem Zeitplan. Passend zu der gerade herrschende Situation in Bolivien, die von vielen Änderungen, Protesten, Blockade und Problemen wie z.B. Rassismus geprägt ist, hiess diese „Missioneros de la Paz“
Vom Nationalen Büro der Hermandad wurde eine sehr interessante Studie vorgestellt, die zusammen mit der Fundation Jubileo erst im März 2008 erstellt worden war. Die also noch recht frischt und deshalb sehr aussagekräftig ist. In dieser Umfrage ging es darum, welche Probleme das Land bestimmen, wer für diese Probleme verantwortlich zu machen ist und wie die Bolivianer ihre Zukunft sehen.
Die Stiftung Fundación Jubileo Bolivia ist eine katholische Einrichtung zur Stärkung der bolivianischen Zivilgesellschaft. Ihr Hauptanliegen ist die Stärkung von Demokratisierung und Beteiligung der bolivianischen Zivilgesellschaft an politischen und sozialen Entscheidungsprozessen. Die Stiftung richtet sich mit der Analyse der sozialen Realität an politische und wirtschaftliche Akteure. Außerdem will sie mit Informationsarbeit und Weiterbildung möglichst alle sozialen Gruppen in Bolivien in politische und gesellschaftliche Prozesse einbinden und Bewusstsein für die eigenen Rechte schaffen. Die Themenschwerpunkte von Fundación Jubileo Bolivia sind die bolivianischen Staatsverschuldung, die Armutsbekämpfung und die Wertevermittlung im Zusammenhang mit dem Prozess der neuen politischen Verfassung.
Die Auswertung dieser Umfrage habe ich in ein PDF-Dokument umgewandelt und kann hier eingesehen werden.
Weiterhin das offizielle Video zu diesem Thema vorgestellt, auch ohne große Spanisch-Kenntnisse ist , die Aussage sehr verständlich. Ich habe die offizielle Erlaubnis bekommen es ebenfalls hier im Blog zu veröffentlichen. Der Film ist ca. 7 Minuten lang und ist knappe 17mb groß. Ich persönlich finde den Film sehr gelungen und hoffe, das es zum Nachdenken anregt. In Camiri wurde dieser Film schon in zwei Fernsehsendern ausgestrahlt.
Hiernach haben die einzelnen Diozösen ihre eigenen Projekte zu diesem Thema vorgestellt.
Als Abschluss zu diesem Thema, hat jede Gruppe ein Stück von einem Haus bekommen, welche sie frei zu dem Thema Frieden gestalten sollte. Nach dem alle Delegationen fertig mit ihrer Arbeit waren wurde alle Einzelstücke wieder zu einem Haus zusammengefügt, ein Haus des Friedens.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit eben diesem Haus im Gepäck haben wir uns dann auf den Weg zur Messe mit dem Bischof aus Tarija gemacht. Bei der Gabenbereitung in der Messe, wurde auch dieses Haus zum Altar vorgebracht.
Im Anschluss an diese Messe fand eine Nacht der Kulturen statt. Organisiert wurde dieses Fest von einer Schule und Jugendlichen aus Tarija. Es wurden viele verschiedene Tänze und Gesänge aus ganz Bolivien vorgestellt. Darunter auch Chacarera auch Cueca durfte natürlich nicht fehlen. Als einer der großen Höhepunkte hat eine Schülergruppe den als sehr schwer zu tanzenden Tobas vorgeführt. Bei dem Tobas-Tanz geht es um eine figurative Repräsentation der Chaco-Indianer. Schon vor der Kolonialisierung gab es Konflikte zwischen den Hochland- und Tiefland-Indianern. Als die Quechua-Armee einmal Ch´unch´us aus den Tropen gefangen genommen hatte, wurden die Aymaras durch sie zu einem gleichnamigen Tanz inspiriert.
Den Tanz der Schülergruppe finden sie hier als Video, leider fehlen aus Speicherplatzgründen die letzten 30 Sekunden, aber ich denke auch so gibt er einen sehr guten Einblick in einem anderen Bereich der Tanzkultur von Bolivien.
Zu Erwähnen währe noch, dass es sehr kalt an diesem Abend war und ich ohne meinen Tee wahrscheinlich nicht überlebt hätte, das Thermometer war knapp an der Null Grad Grenze, es ging aber auch allen anderen so wie mir, so dass mein Poro die Runde machte.
Am letzten Tag wurden noch die Projekte der Delegationen vorgestellt, die aus Zeitgründen nicht am Tag zuvor vorgetragen werden konnten. Hiernach gab es noch eine Abschlussmesse und danach hieß es aufbrechen.
Da meine Flota erst gegen Abend abfuhr hatte ich noch Zeit mit einigen von meiner Delegation Tarija zu erkunden. Wir haben uns dazu entschlossen, ein typisches Gericht aus Tarija zu probieren und sind dafür an die Stadtgrenze gefahren. Es handelt sich dabei um Cangejos, es sind kleine Krebs die zusammen mit Mais und frittierten Fisch gereicht werden. Anders als in Europa muss man sich nicht erst stundenlang um das Schälen des Fleisches bemühen, den der Krebs wird so wie er auf dem Teller einen anlächelt in den Mund verfrachtet. Ich muss sagen ich war einfach begeistert von dem Geschmack,
es hatte was von den Krabbenchips die man in einem chinesischen Restaurant bekommen kann. Frisch gestärkt und mit den letzten Eindrücken ging es nun zum Terminal, wo uns anscheinend wieder einmal das Glück verlassen sollte.
Den es wurde uns mitgeteilt, dass die Flota nicht abfahren wird, wegen des Autonomiereferendums im Departamento Santa Cruz. Auch als die Flota schließlich doch im Terminal angekommen war, wich die Anspannung nicht, den diesmal wurde verkündet, dass sie abfahren wird, aber nur bis Boyuibe ca. 50 Km vor Camiri. Also sind wir mit einem ungewissen Fahrziel eingestiegen und waren um so glücklicher, als der Bus doch schließlich in Camiri hielt, aber alle anderen die bis nach Santa Cruz de la Sierra weiterfahren wollten hatten Pech, den in Camiri war wegen Blockaden zu dem Referendum wirklich Schluss.
Als kleines Souvenir der Reise habe ich mir eine Grippe eingefangen, und liege seit dem mit Fieber und schwere Erkältung im Bett, weshalb ich auch erst jetzt dazu kam diesen Bericht zu verfassen.
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Info zum Beitrag
geschrieben am Donnerstag, den 8. Mai 2008 um 21:41 Uhr (BOT: UTC-4h)
Dieser Artikel wurde zwischenzeitlich 36 aufgerufenKategorien: Reisen & Co
Tags: Arbeit, Blockade, bolivianisch, Bolivien, Camiri, Campo, Delegation, Diozoesen, Fisch, Flota, Fundación, Grippe, Hermandad, Jugendliche, La Paz, Partnerschaftskommission, Paz, Potosí, Protest, Reise, Santa Cruz, Schule, Tanz, Tarija, Tiefland, Treffen